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Der blonde Junge stand allein am Ufer des kleinen Sees und betrachtete die letzten Strahlen der Abendsonne tief über dem Horizont. Sein zartes Gesicht hatte im weichen Dämmerlicht einen seidigen Glanz angenommen, der ihn ein kleines bisschen wie einen der Engel auf den Bildern in der Kirche wirken ließ, die ihn als kleines Kind so fasziniert hatten. Seine aufgeweckten blauen Augen glitzerten wie kleine Edelsteine, nicht zuletzt wegen der wenigen Tränen, die sich in ihnen gesammelt hatten. Obwohl dies der Ort war, an dem sich der Junge am liebsten aufhielt und der ihn immer wieder von besseren Zeiten träumen ließ, fand er an diesem Tag keine Freude beim Anblick der Wasseroberfläche, der Bäume oder der Vögel, die zu ihren Nestern in den Wipfeln zurückflogen. In seinen geschmeidigen Fingern drehte er eine kleine Glasfigur. Er hatte diesen Gegenstand am heutigen Tage ganz bewusst mitgenommen, denn es war das größte Geschenk, das er jemals von einem Menschen erhalten hatte und sein absolut wertvollster Besitz. Ja, er wusste, dass manch einer dies komisch finden würde. Wie konnte ein Junge seines Alters einen winzigen, gläsernen Schwan (der vermutlich nicht einmal viel gekostet hatte) als wichtigsten Gegenstand in seinem Leben erachten? Doch dies war nicht die einzige Besonderheit, die diesen jungen Menschen auszeichnete, nein, er war in vielerlei Hinsicht anders als seine Mitmenschen. Und oft hatte er hier gesessen, am Ufer dieses Sees und sich vorgestellt, wie es wäre, in einer Welt zu leben, in der man ihn so akzeptierte, wie er war. In der er sich nicht zu rechtfertigen brauchte und in der jeder verstand, warum er so fühlte, wie er fühlte. Und obwohl der blonde junge Mann jedes Mal, wenn er so vor sich hinträumte, ganz genau wusste, dass er sich nur einer Illusion hingab, tröstete ihn der Gedanke an diese wundersame und wunderbare Welt immer wieder aufs Neue.
Doch an diesem Tag war er nicht hier, um von dieser Welt zu träumen, denn dafür hatte ihn die bittere Realität viel zu schmerzhaft auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Wie gerne hätte der Junge mit dem Menschen, der ihm den kleinen Gegenstand in seinen Händen geschenkt hatte, hier an seinem See gesessen und zusammen mit ihm in den Sonnenuntergang geschaut. Doch dies würde nicht passieren. Niemals.
Sie hatten so viel Zeit miteinander verbracht, hatten gemeinsam gelacht und geweint, hatten über die unwichtigen und die ernsten Dinge des Lebens gesprochen, waren füreinander da gewesen, wenn es notwendig war und hatten alle glücklichen und traurigen Momente ihres Daseins miteinander geteilt. In dieser Zeit war dem blonden Jungen klar geworden, dass er vielleicht niemals mehr einen Menschen auf diesem Planeten finden würde, der ihm mehr bedeutete. Ein Mensch, für den er mehr empfand als in diesen grazilen, schlanken Körper überhaupt hineinpasste.
Alles war so perfekt gewesen.
Und doch saß der Junge heute nicht Arm in Arm mit seinem Freund im Gras. Er konnte nicht seine Finger über die Wangen seines Partners streichen lassen und sich wundern, wie Gott ein so vollkommenes Geschöpf erschaffen konnte. Er konnte nicht für alle Zeiten im Lächeln seines Gegenübers versinken und sich wünschen, die Zeit möge stehen bleiben, sodass er diesen Moment für immer genießen konnte.
Stattdessen hielt er den kleinen Schwan aus Glas in seinen Händen und erschauderte, als seine Fingerspitzen über den harten und kalten Gegenstand strichen.
Dies war alles, was ihm geblieben war.
Ein winziger Gegenstand der Zuneigung, ein letztes Überbleibsel aus vergangenen Tagen. Tagen, an dem seine Illusion noch nicht zerplatzt war. Damals, als Freundschaft noch Freundschaft gewesen war und der blonde Junge seinen Freund in den Armen halten konnte, ohne sich dafür schämen zu müssen.
Doch der junge Mann hatte lernen müssen, dass sich Leben manchmal einfach auseinander entwickeln, ohne dass man darauf einwirken kann. Und so hatte der Mensch, der ihm den Schwan geschenkt hatte, der an seiner Schulter geweint hatte und sich über die kleinsten Angelegenheiten mit ihm gestritten hatte, nur um sich kurz darauf wieder zu versöhnen, einen anderen Weg gewählt. Einen Weg, für den ihm der blonde Junge niemals wirklich böse sein konnte und den er dennoch mit unendlicher Traurigkeit betrachtete.
Einen Weg, der letztendlich dazu geführt hatte, dass er nun alleine hier saß, sich mit dem Schwan den kleinsten Rest der Traumwelt bewahrte, der er sich damals tagtäglich hingeben durfte und darauf hoffte, irgendwann einmal in seinem Leben eine ähnliche Glückseligkeit erfahren zu dürfen.
Bis dahin würde er den Schwan in seinem Herzen behalten und sich mit einem Lächeln an jene Tage erinnern, an denen er sich dieses so wertvolle Geschenk verdient hatte.
Tage echter Freundschaft.
Perfekte Tage.



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