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Hier mal eine Geschichte, die mir in den letzten Tagen im Kopf herumgespukt ist und die ich einfach niederschreiben musste:



Salzig und zuckersüß

Der blonde Junge saß einsam auf einer Stufe der kalten, steinernen Treppen und ließ seinen Tränen freien Lauf. Nach allem, was er durchgemacht hatte, nach all den Sorgen, den Stunden der Verzweiflung und der Resignation, fühlte er sich hier und jetzt, zum Zeitpunkt seines Triumphes schrecklicher als je zuvor. Er hatte getan, wie ihm befohlen worden war, hatte den Wünschen des Dunklen Lords Folge geleistet und mit seinen Taten das Leben seiner Eltern gerettet. Auch wenn er es letztlich nicht übers Herz gebracht hatte (und vielleicht war er sich damals zum ersten Mal bewusst geworden, dass er eines besaß) Dumbledore zu töten, so hatte er doch alles in die Wege geleitet, was notwenig war, um den alten Mann ein für allemal zu vernichten. Er war also endlich nach all der Zeit siegreich gewesen und hatte seinem Herrn einen größeren Dienst erwiesen als jeder andere Todesser zuvor.
Und doch fühlte er nichts als Schmerz und Verzweiflung, während er noch einmal die Bilder vor seinem inneren Auge sah, die sich auf dem höchsten Turm von Hogwarts abgespielt hatten. Es waren Dumbledores Worte gewesen, die etwas in ihm berührt hatten. Der blonde Junge schluchzte lauter. Wie hatte dieser Mann selbst in der Stunde seines Todes, seiner absoluten und endgültigen Niederlage so gütig und überlegen erscheinen können? Wie hatte er Draco vermitteln können, dass der junge Slytherin seiner Gnade ausgeliefert war und nicht umgekehrt? Wieso hatte Draco nichts anderes in Dumbledores Augen erkannt als tiefes und aufrichtiges Mitgefühl mit seiner verzweifelten Situation? Der blonde Slytherin wusste die Antwort nicht und es stach wie ein Messer in sein Herz, dass er sie niemals erfahren würde. Und doch hatte er das schreckliche Gefühl in sich, dass er ein wahrhaft wunderbares Wesen einfach so vernichtet hatte. Ein Geschöpf, so einzigartig und rein, dass es alles menschliche überragt hatte. Er hatte Dumbledore sterben lassen. Aus Angst. Egoismus. Gekränktem Stolz. Und er hasste sich dafür.
Erneut übermannte ihn dieses so unglaublich furchtbare Gefühl der Ohnmacht und ein Schrei der Verzweiflung entsprang seinen Lippen. Wäre er doch niemals geboren worden. Er würde mit dieser Bürde leben müssen, bis ans Ende seiner Tage und dies war sein Schicksal. Draco Malfoys Schicksal.
Gerade als er dachte, dass die Gefühle in seinem tiefsten Inneren ihn hier und jetzt zerreißen würden, spürte er eine Hand auf seinen Schultern. Eine wärmende und tröstende Berührung. Er wandte sich um und sah direkt in ein Paar smaragdgrüner Augen, die bis in den letzten Winkel seiner Seele zu blicken schienen. Er verstand nicht, dass diese Augen nicht die geringste Spur von Hass oder Verachtung enthielten, nicht einmal Wut konnte er dort erkennen. Nur endloses, ehrliches Mitleid. Und diese Augen ließen ihn endgültig zusammenbrechen. Zum ersten Mal in seinem noch jungen Leben weinte Draco wie ein kleines Kind, ließ dem Monster, dass in ihm tobte und drohte, seine Eingeweide zu zerreißen freien Lauf. Und dann spürte der blonde Slytherin, wie sich starke Arme um ihn schlossen, ihn festhielten und vor allem beschützten. Er versank in diesen Armen, fühlte sich geborgen wie nie zuvor und wollte, dass die Zeit für ihn in diesem Moment endete. Wie ein warmer Kamin in frostigen Winternächten, so verscheuchte diese so innige Umarmung die Kälte in seinem Herzen aus Dracos Körper. Nie wieder wollte er losgelassen werden, freigelassen in die bösartige Welt, die in dort draußen erwartete.
Wie in Trance sah er plötzlich, wie sich kirschrote Lippen den seinen näherten und schloss die Augen. Er konnte ein Zittern nicht unterdrücken als sie sich berührten und ungeahnte Gefühle durch seinen Körper schossen. Und zum ersten Mal wusste Draco, dass es perfekt war. Es gab nur noch sie beide. Keine Sorgen, keinen Schmerz. Nur unendliche Zuversicht. Liebe. War dies Dumbledores Vermächtnis? War es dieser Moment, für den der alte Zauberer sein Leben geopfert hatte? Erneut rannen salzige Tränen Dracos Wangen hinab und vermischten sich mit dem zuckersüßen Geschmack der Lippen auf seinem Mund, doch waren es Tränen der Dankbarkeit und des Glücks. Gefühle, die der junge Slytherin viel zu selten genossen hatte.
Nach einer Ewigkeit lösten sich die beiden jungen Menschen voneinander, sahen sich tief in die Augen und lächelten.
„Hab keine Angst, Draco! Es wird alles gut. Er wusste, dass es so enden würde.“

Mit einem letzten, liebevollen Kuss auf die Stirn des blonden Jungen wandte Harry Potter sich um und verschwand in einem der dunklen Korridore von Hogwarts. Draco sah noch lange in seine Richtung. Ein Lächeln auf den Lippen. Den geküssten Lippen. Ein Lächeln der Zuversicht.

„Wach auf, Draco, wir müssen los!“

Goyles Stimme klang in den Ohren des jungen Slytherin wie Fingernägel, die auf einer Tafel kratzten. Geistesabwesend ließ Draco seine Zunge über seine Lippen gleiten. Der Geschmack ließ ihn erschaudern. Salzig und zuckersüß.

In diesem Moment wusste Draco, dass tatsächlich alles gut werden würde. Er schwang die Beine aus dem Bett und erhob sich. Vielleicht wie ein Phönix aus der Asche, dachte er belustigt. Doch dieser Gedanke beschäftigte ihn nicht lange. Es gab Wichtigeres. Er hatte Dinge zu erledigen.

Wichtige Dinge. Dumbledores Vermächtnis. Salzig und zuckersüß.

ENDE



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