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Weg zu den Sternen


~Ein Abschied schmerzt immer, auch wenn man sich schon lange darauf freut.~
- Arthur Schnitzler -

Ein alter Mann saß allein an seinem Schreibtisch. Sein Blick glitt über die vielen eigenartigen Dinge in den Regalen an den Wänden. Seltsame Gerätschaften, antike Kostbarkeiten. Erinnerungen. Erinnerungen an ein langes, erfülltes Leben. Ein Lächeln huschte über das faltige Gesicht, als er sich an mancherlei Geschichte erinnerte, die untrennbar mit den Gegenständen verbunden war. Jedes dieser Stücke hatte seine Vergangenheit. So wie er.
Vergangen.
Der alte Mann blickte aus dem Fenster und blinzelte, als die letzten Strahlen der Abendsonne in seine Augen stachen. Strahlend blaue Augen, die so viel gesehen hatten. Augen, die die Welt für sich entdeckt hatten und die nun müde waren. Müdigkeit, dies war ein Luxus, den der alte Mann sich nur selten hatte leisten können, doch nun war es gleichgültig. Er wusste, dass seine Zeit sich ihrem Ende neigte. Der Gedanke daran machte ihm keine Angst. Es würde neue Dinge zu entdecken geben, dort wo er hingehen würde. Er schmunzelte, als ihn ein Gefühl beinahe kindlicher Neugier durchflutete. Wie würde es dort sein? Dort, bei den Sternen.
Nein, er fürchtete sich nicht vor dem Ende. Das einzige, was er verspürte, war ein leises Bedauern, viele Menschen zurückzulassen, die er liebte und die zu ihm aufblickten. Er war immer derjenige gewesen, zu dem alle aufblickten und er freute sich ein wenig darauf, dass diese Last nun endlich bald von ihm genommen wurde. Jeder, der schon einmal für längere Zeit die Rolle des Anführers hatte spielen müssen, wusste, wie schwer es war, immer stark und allwissend sein zu müssen. Und dies war sein Leben gewesen. Schon immer. Nun durfte auch er bald einmal schwach sein. Klein. Ein Staubkorn zwischen den Sternen. Ein Kind, das an der Hand genommen wurde, um die Wunder einer unbekannten Welt zu erblicken.
Der alte Mann erhob sich langsam und trat ans Fenster. Von dort konnte er hinab auf die glitzernde Oberfläche des Sees sehen. Ein Anblick, den er liebte. Vielleicht das größte Geschenk seines Lebens. Dort unten am Ufer stand ein Junge mit schwarzem, verstrubbeltem Haar und betrachtete den Sonnenuntergang. Er konnte sich noch genau daran erinnern, wie er damals in seiner Kindheit an genau der gleichen Stelle gestanden hatte. Auch er hatte zugeschaut, wie die Dämmerung hereinbrach und sich Stille um die Welt legte. Nachgedacht über die vielen Dinge, die ihn in seinem Leben erwarteten, die vielen unschönen und schweren Zeiten, die auf ihn zukommen würden. Genau wie der Junge dort unten.
Eine einzelne silberne Träne lief an der Wange des alten Mannes hinab.
Er dachte daran, was dieser Junge hatte durchmachen müssen. Was er verloren hatte. Wen er verloren hatte. Und noch verlieren würde. Es schmerzte ihn, diesen Jungen verlassen zu müssen, doch er hatte keine andere Wahl. Es war sein Schicksal.
Er haderte nie mit seinem Schicksal, doch dies war einer der wenigen und seltenen Momente, in denen er sich wünschte, noch ein klein wenig mehr Zeit auf dieser Erde verbringen zu können. Er hatte diesen Jungen geliebt wie einen Sohn und er liebte ihn noch immer. Er hatte gesehen, wie er weinte, wie er lachte, wütend war und glücklich. Und er hoffte inständig, dass er, bei allem was ihn nach dieser Welt erwarten würde, eine Möglichkeit hatte, auch weiterhin auf diesen Jungen herabzusehen und ihn zu begleiten. Ja, dies war sein Wunsch. Sein einziger Wunsch.
Der alte Mann sah, wie der Junge sich plötzlich umwandte und zu dem Fenster hochsah, an dem er stand. Und für einen kurzen, flüchtigen Moment sah der alte Mann sich selbst und wusste, dass es gut war. Es war Zeit für ihn zu gehen. Und er konnte beruhigt gehen.

Albus Dumbledore stand noch eine lange Zeit an dem Fenster seines Büros und sah hinaus auf den Großen See. Die Sonne war längst untergegangen und die Sterne lächelten auf ihn herab.

Und der alte Mann lächelte zurück.



~Als du auf die Welt kamst, weintest du, und um dich herum freuten sich alle. Lebe so, daß, wenn du die Welt verläßt, alle weinen und du lächelst.~
- Aus China -

~Wie weit kann der Glaube an einen Menschen gehen? Wie lange kann man mit Zuversicht in die Zukunft blicken, ohne dabei daran zu denken, wie es ohne diesen geliebten Menschen aussehen würde? Wie stark kann der Optimismus dafür sein, Tagen des Glücks mit dieser Person entgegenzublicken, wenn du tief in deinem Herzen doch weißt, dass es bereits zu spät ist? Wenn dir von weit her die Stimme des Todes zuflüstert, dass du nun loslassen musst, dass es nun an der Zeit für dich ist, dich von diesem Menschen zu verabschieden. Wenn du merkst, dass du dir die ganze Zeit über mit deinen Träumen an bessere Tage einfach nur eine Welt des Wunschdenkens erschaffen hast und dich die Realität nun wieder mit ihren eiskalten Fängen einholt, dann merkst du, wie dir der Boden deiner kleinen naiven Traumwelt unter den Füßen weggezogen wird. Dann blickst du der Wahrheit ins Auge und beginnst ganz langsam zu verstehen. Und je weiter diese Erkenntnis in dein Inneres vordringt, desto mehr ist es, als würdest du deinen Verstand verlieren, als würdest du auf einer Welle der Verrücktheit dahingleiten…~
- unbekannt* -

~Wenn ein geliebter Mensch dem Tod so nah ist, dann meint man manchmal selber, man könnte bereits die Flügel der Engel berühren.~
- unbekannt* -


* Zitate aus der Fanfiction „Heldentränen“ von Evenstar



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